Baugenehmigungen steigen wieder: Warum der Aufschwung zuerst im Büro ankommt

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 126.300 Wohnungen genehmigt, 15,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum. In Ihrem Büro kommt dieser Aufschwung aber nicht als Baustelle an, sondern zuerst als Anfrage, als Angebot und als Ausschreibung. Die ehrliche Frage dazu vorweg: Wissen Sie, wie viele Angebote Ihr Büro pro Woche schreibt, und wie viele davon je gebaut werden?

Was die amtlichen Zahlen sagen

Das Statistische Bundesamt hat am 18. August 2026 die Juni-Zahlen gemeldet (Pressemitteilung Nr. 291): 21.600 genehmigte Wohnungen, 13,8 % mehr als im Juni 2025. Im gesamten ersten Halbjahr waren es 126.300 Wohnungen, ein Plus von 15,1 % oder 16.600 Wohnungen.

Im Neubau nach Gebäudetyp aufgeschlüsselt: Einfamilienhäuser 24.000 (plus 12,7 %), Zweifamilienhäuser 7.700 (plus 27,3 %), Mehrfamilienhäuser 67.000 (plus 16,9 %). Der stärkste Zuwachs liegt also nicht beim klassischen Eigenheim, sondern beim Zweifamilienhaus und beim Geschosswohnungsbau.

Eine Einschränkung schreibt Destatis selbst dazu: In den Zahlen eines Berichtsmonats stecken auch Nachmeldungen über Genehmigungen, die schon früher erteilt wurden. Ein einzelner Monat ist deshalb noch kein Trend.

Genehmigt ist nicht gebaut

Hier kommt die Zahl, die in den Schlagzeilen meistens fehlt. Zum Jahresende 2025 lag der Bauüberhang, also die bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen, bei 760.700 (Destatis, Pressemitteilung Nr. 174 vom 22. Mai 2026). Davon befanden sich 307.200 Wohnungen tatsächlich im Bau. Der Rest ist genehmigtes Papier.

Und es dauert. Von der Genehmigung bis zur Fertigstellung vergingen bei den 2025 fertiggestellten Wohngebäuden im Schnitt 27 Monate. 2024 waren es 26 Monate, 2020 noch 20 Monate.

Für Ihre Planung heißt das zweierlei. Erstens: Auf ein Genehmigungsplus können Sie keine Einstellung stützen. Zweitens: Die Arbeit, die jetzt bei Ihnen ankommt, ist überwiegend Schreibtischarbeit, und ein erheblicher Teil davon führt zu keinem Auftrag.

Die Mess-Frage vor der Werkzeug-Frage

Bevor irgendjemand über Software redet, lohnt sich eine Woche Strichliste:

  • Wie viele Anfragen und Ausschreibungen kommen pro Woche herein?
  • Wie lange braucht ein Angebot von der Anfrage bis zum Versand?
  • Wie hoch ist Ihre Trefferquote?

Wer diese drei Zahlen hat, weiß, ob das Problem im Büro sitzt oder auf der Baustelle. Ohne die Zahlen ist jede Werkzeug-Entscheidung geraten.

Wo KI in dieser Lage wirklich etwas bringt

Genau an dieser Stelle, beim Papier vor dem Auftrag, ist KI im Bau heute am weitesten. Drei Ansatzpunkte, die auch in kleinen Büros funktionieren:

  • Angebot aus dem Leistungsverzeichnis. Positionen aus dem LV ziehen und mit Ihren eigenen, historisch gut kalkulierten Preisen belegen, statt jede Position neu zu suchen. Wie das abläuft, steht auf der Seite zum Angebot aus dem Leistungsverzeichnis.
  • Vorsortieren statt alles bearbeiten. Bei einer Trefferquote von 20 % ist die spannende Frage nicht, wie Sie schneller schreiben, sondern welche Anfrage Sie gar nicht erst bearbeiten.
  • Nachtrag und Schlussrechnung. Kommen mehr Baustellen, kommen mehr Nachträge mit. Dazu gibt es eigene Seiten zum Nachtrag nach VOB und zur Schlussrechnung mit Aufmaß.

Was KI hier ausdrücklich nicht tut: kalkulieren. Der Preis bleibt Ihre Entscheidung, die Maschine räumt nur die Zuarbeit weg. Einen Überblick, welche Werkzeuge im Baubetrieb überhaupt in Frage kommen, finden Sie unter KI-Tools im Baubetrieb.

Erstmal die gute Nachricht

Der Einstieg ist für viele Betriebe BAFA-förderfähig, und gefördert wird die Beratung im Betrieb, nicht ein Seminar daneben. In den neuen Bundesländern ohne das Land Berlin und ohne die Region Leipzig sowie in den Regionen Lüneburg und Trier sind das 80 %: Bei einem Beratungswert bis 3.500 € bleibt Ihr Eigenanteil bei rund 700 €. Überall sonst sind es 50 %, der Eigenanteil liegt dann bei 1.750 €. Die Richtlinie ist Stand heute bis zum 31.12.2026 befristet, gefördert wird über gelistete Partner, und eine Bewilligung kann Ihnen niemand garantieren, ich auch nicht. Wie der Antrag abläuft, steht auf der Seite zur BAFA-geförderten KI-Beratung.

Zwei Wege sind üblich, und beide sind in Ordnung: erst eine Woche messen und dann entscheiden, oder die geförderte Beratung ansetzen und das Messen im Betrieb mitlaufen lassen. Regionale Einstiege gibt es für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Lüneburg, einen Gesamtüberblick auf der Startseite.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 291 vom 18. August 2026: „Baugenehmigungen für Wohnungen im Juni 2026: +13,8 % zum Vorjahresmonat". https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_291_3111.html
  • Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 174 vom 22. Mai 2026: „18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025" (Bauüberhang, Abwicklungsdauer). https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_174_31121.html
  • Förderkonditionen 1:1 nach der Seite /bafa-ki-beratung-bau.html (Stand 26.08.2026)

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